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Rallyetagebuch - Tag 5: Etappe 4 Valencia - San Roque


Wo ist eigentlich dieses Villariba? Werden uns von der Werbung reihenweise Bären in aller Pelzigkeit aufgebunden? Gibt es doch gar nicht. Kein Villariba. Alles Seat-hausen hier. Die ganze Modellpalette von der Landkarte. Von Marbella bis Alhambra. Und Fords Granada war auch im Roadbook. Wo waren wir gleich im Text? Ach ja, also während San Roque schon Zelte aufbaut, wird auf der Strecke noch geschrubbt. Ordentlich Kilometer für die Besenfahrzeuge der Orgs und Schraubär-Experten, die Team 426 zur Seite standen. Die Dustfighter hatten leider nicht viel von dieser Etappe geschafft. Und was gestern nach Zwischenspiel mit heiterem Ausgang schien, bekam eine betrübliche Wendung. Vom Standstreifern der Piste nach Alicante / Murcia konnte sie dann nur noch der Abschlepper weiterbringen. Die Diagnose kam hier noch nicht durch. Da wollen wir den Orgs, die etliche Kilometer seit spätem Nachmittag aufholen wollen, nicht dazwischenklingeln. Möglicherweise Riss im Zylinderkopf. Und nur die wichtigste und zugleich traurige Kurzinfo wurde knapp weitergegeben: Team 426 aus dem Rennen! Morgen geht der Rückflug. Wir hätten Euch Dustfighter gern bei uns gehabt, Euch mit rüber auf den anderen Kontinent genommen und hoffen auf einen neuen Anlauf bei einer der nächsten Staffeln. Wir halten Euch einen Startplatz frei und fühlen mit Euch!!!
Kleinere Probleme beim Team "Team Spirit". Das startete mit Verzögerung in Valencia . Dafür dann mit vereinter Hilfe. Passt ja zum Teamnamen. Und so rollten wir auf eine Etappe von weit über 700 Kilometern. Viel auf. Viel ab. Das Busschlenkern im Wind ist ein größeres Thema als gedacht. Kein Wunder bei 1300 Höhenmetern, auf die wir uns auf dem Weg zur Küste erst hochzuschrauben hatten. Beim Herumfragen im Fahrerlager, ob es anderen auch so geht mit den Kräften der Natur, die am Lenkrad ziehen, hatten viele ähnliches zu berichten. Und jeder dachte zuvor, es ginge nur ihm so. Immerhin ziehen Wohnobile und Laster scheinbar mühelos vorbei. Und währenddessen  sind doch sogar diese rotweiß geringelten Sturmtüten, die an Brücken am Mast wehen, stramm aufgepustet. Jedenfalls fühlen einige, dass da die Fahrt zum Ritt auf dem fliegenden Teppich wird. Wir haben es aber im Griff! (Morgen darf sich erst einmal der Fährenkapitan ganz alleine auf die steife Brise konzentrieren.) Sollte der stürmische Wind auch letzte Wolken wegpusten, dann können wir der ganzen Sache auch was abgewinnen. Das sah an Start und Ziel schon sehr nach Wetter für kurze Hosen aus. Es kribbelten die Sonnenstrahlen auf dem Unterarm, der aus dem Fenster schlenkerte. (Wo es denn Fenster zu kurbeln gab - dazu gleich mehr.) Nur zwischendrin, in luftigen Bergeshöhen, haben wir noch einmal Schnee gesehen. Kurzer Schreck. Aber da waren nur die Gipfel angezuckert; die Straßen waren frei. In Windesweile strebten wir also ans Meer, kauften Proviant oder notierten, was morgen noch auf dem Weg zur Fähre im Kofferraum landen soll. So langsam enden die ewigen europäischen Autobahnkilometer, der viel zu perfekte Asphalt, der langweilig vorüberzieht. Wir wollen Sand, wir wollen offroad. Da wurde ein ganz heißer Reifen gefahren, so richtig auf Material, als sich die Straßen wieder durch Täler schlängelten. Immer weiter hinab. Bis zum Meer, das auf der linken Seite glitzerte. Und was haben wir bis hierher nicht alles erlebt .... Auch die Rallyewiederholungstäter vom Team Erfordia sind ordentlich herumgekommen.  Waren zuvor unter anderem in Lissabon und haben eindrucksvolle Bilder für die Fotogalerie beigesteuert. Mit Opel. Und Besatzung. Sind jetzt mittendrin in der Rallyemeute. Die Erzgebirgsracer wandelten zwischenzeitlich gar im heiligen Fussballtempel von Barcelona. Da sind wir alle ein bißchen Messi. (Denkt man sich auch beim Blick in die Kofferräume.) Schön auf jeden Fall, dass die Erzgebirgsracer mit uns reisen. Die hatten ja auf dem Weg ans Elbufer einen Getriebeschaden und starteten frisch repariert sozusagen nach. Beim Dicken und dem Belgier vermuteten wir einen zweiten Auspuff. Aber das ist wohl ein Schlauch. Irgendwo ist da zuviel Druck, zuviel Kompression. Und das ganze wird eben so gelöst und abgeleitet. Da ist richtig Dampf unter der Haube. Ansonsten aber alles tadellos repariert. Sagt man. Unterwegs wird vielleicht noch getunt. Es wurde versprochen, dass der Wagen in 1A-Zustand in Gambia ankommen wird, um abertausende Kilomter weiterzulaufen. Ein Foto aus Paris liefern wir heute nach. Team Glückauf finden wir ebenso in der Bildersammlung - mit einer tollen Brücke. Viadukt von Millau. Das ist zwischen Lyon und Nimes. Und war mal die größte Hängebrücke weit und breit. Beeindruckender für uns natürlich das Auto im Vordergrund der Ablichtung. (Oh und Grüße an Claudi sollen noch ausgerichtet werden.)


Team 453 dürfte ein weiteres Gespann sein, dass sich beim Unaussprechlichen-Mobil Ratschläge abholen kann in der Fensterselbsthilfegruppe. Die Scheibe vom Fahrer streikt. Also musste an den Mautstellen immer ausgestiegen werden. Kleine Mautanekdote noch vom F-Team: Die Automaten ziehen ja alles durch die Schlitze. Auch 50-Euro-Scheine. Wenn die Strecke nur ein paar Taler kostet, dann purzelt das Wechselgeld trotzdem in Münzen raus. Das dauert dann auch ein Weilchen. Immer schön rausfummeln, dem Beifahrer reichen. Um die 47 Euro wurden so in Hartgeld ins Handschuhfach geladen. Übermütig wird das F-Team indes auch. Wohl vom Anblick des vielen Klimpergeldes. Gestern noch aufgewühlt und ratlos. Warum nahm der Frontera bloß so ungern Gas an? Mittlerweile ist die Sache erledigt. Der Luftmengenmesser war der Überltäter. Ja und nun wird ordentlich vom Leder gezogen. Oder vom Blech Jedenfalls werden jetzt schon - noch in Europa - Preise und Gegenleistungen aufgerufen für Aussandehilfe und Abschleppereien im Saharasand. 


Die Nacht ist sternenklar. Grillgeruch wabert durch die Gasse der Rallyeboliden in San Roque. Eine Gitarre lehnt klampfbereit am Radkasten vom "Dicken und dem Belgier". In der Bildergalerie findet Ihr den Campingplatz bei Tageslicht. Die Frühankommer "Der Dicke und der Belgier" waren so zeitig da, dass sie die erste Nacht vor verschlossenen Toren auf der Straße campierten. Auch "Team Erfordia" hatte bei Sonnenschein schon einen prächtigen Stellplatz ergattert. Wir haben uns drumherum drappiert. Und die Zelte und Schlafsäcke sind bereit. Das ist es also: Unser erstes Outdoorcamping. Jetzt ist es auch an der Zeit, die Gaskocher zu testen. Und das Gummiband der Stirnleuchten am Kopf zurechtzurücken. Also Parole lautet wieder: Grubenlampe auf Fernlicht und dann Attacke. Morgen früh wollen wir zeitig raus, noch Proviant einkaufen. Wasser und Brot. Und manch anderes. Und dann direkt weiter zum Fährhafen von Algeciras. Das sind insgesamt etwa 20 km von hier. Soviel trennt uns nicht mehr von der großen Überfahrt nach Afrika. Und von weiteren Teams, die sich dann offiziell der Karawane anschließen oder von Extratouren zum ersten Pflichttreffpunkt der Rallye wieder zu uns stoßen. Die Escalators sind ja schon in San Roque. Erfordia sowieso. Jetztodernie sind auch fleißig gerollt. Und irgendwo zwischen uns und dem Hafen zum Stillstand gekommen. Mittwoch werden wir uns sehen. (Ist doch dann MIttwoch, oder? Uns geht schon jetzt das Zeitgefühl verloren. Und was Erfordia geschafft hat, nämlich Affen und Felsen von Gibraltar zu sehen, das hat bei "Men on a mission" nicht ganz in den Plan gepasst. Hatten Uwe und Peter auch vor, aber dann war doch zu viel Gewühl auf dem Asphalt. Während wir uns nun zur Ruhe betten, werden die beiden nochmal im Hotel schnarchen. Und ausgeruht dann an der Fähre stehen. Aufgeregt wie wir alle. In Vorfreude auf die ersten Kilometer auf afrikanischem Boden. 


Wir haben natürlich wieder vor, an Bord - möglichst an Deck und mit Felsen von Gibraltar im Hintergrund - das offizielle und gaaanz große Gruppenbild zu schießen und so schnell wie möglich mit den letzten europäischen Mobilfunkfunken an dieser Stelle hochzuladen. Aber vielleicht gilt dann auch schon afrikanisches Gefühl. Und wir melden uns aus Briech, dem eigentlichen Ziel morgen. Oder Marrakesch. Oder Banjul. Nein, natürlich früher. So die Technik will. Versprochen. Es grüßt mit Sonne in den Herzen: Die Rallye-Staffel 15!   

Foto-Galerie

Video-Tagebuch



Kommentare: 3

Kommentar von Chris601 // 13.02.2013

Wasser und Brot aus Spanien? in wenigen Kilometern warten Fladenbrote und Wasserflasschen mit arabischer Schrift. MIR wäre das lieber! Viel Erfolg in Afrika und ein Herzliches "das tut mir wirklich leid" an das Team 426.
Außerdem noch ein dickes Lob an den Schriftführer!

Kommentar von Heike+Lothar // 13.02.2013

in der Hoffnung, dass Technik und Aether mitspielen sehen wir euren spannenden Berichten vom anderen Kontinent entgegen - besonderen Gruß den rasenden Adlern und Spatzen

Kommentar von Ole // 13.02.2013

schade um den schönen Nissan Vanette. Man könnte fast meinen die ziehen mit den Chryslers gleich. :0(
Ich hoffe die Dust Fighters lassen sich nicht entmutigen und wagen noch einmal einen Versuch.
Allen anderen Boliden und Besatzungen wünsch ich das sie gut durch Wind, Wetter und Wüste kommen.
Na und wer meinen Nissan mit den großen Smileys in Banjul und Umgebung entdeckt, bringt mir doch bitte einmal ein Foto mit.

Einen Gruß auch an die Orgs.
Ole vom WerkZwei Team

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