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RALLYETAGEBUCH - TAG 14: ETAPPE 11 VERSTECKTE DÜNE - Sand



Nach anstrengender Grenzenquerung haben wir uns quasi den Luxus des Ausschlafens gegönnt. Wenn man weiß, dass die Rallye normalerweise von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang durch asphaltloses Gelände düst, dann ist ein Briefing um 9 tatsächlich eine besondere Entscheidung. Da standen wir nun. Die Sonne brannte. Und weil's im fächelnden Wind schnell mal entfällt, wurde unter anderem gleich nochmal an Sonnencreme und Wasserzufuhr erinnert. Und noch etwas stand an. Unsere Pässe und Fahrzeugscheine schlummerten immer noch in einer großen Kiste.  Das muss auch mitten im Sand ordentlich organisiert sein. Die Dokumente werden wir schließlich noch brauchen. Irgendwann später einmal. Genauso wie die Autoschlüssel. Die aber täglich. Da wurde gebeten, das Auto am besten offen zu lassen. Und den Schlüssel im Zündschloss. Ansonsten wedeln Unmengen Sandkörner in die Anschmeißmechanik. Noch schlimmer wäre, die Schlüssel bei der ausgiebig absolvierten Dünenkletterei zu verlieren. Ist ja die Suche nach dem Sandkorn. Nein, umgekehrt. Nach dem Schlüssel in den Sandkörnern. Und bei der ganzen Stapferei kommt viel Sand in Bewegung. Wir gehen jetzt einfach mal davon aus, dass wir zu den Rallyeteilnehmern gesprochen haben. Vermummt mit blauen Tüchern aus Marrakesch oder Dakhla, mit Sonnenbrillen und Sandschutzideen war nicht so ganz klar, ob dwir och noch einen einheimischen Verirrten oder jemanden aus unserer Mitte vor uns haben. Das mit dem offenen Auto ist soweit okay. Höchstwahrscheinlich werden die Kontake zu anderen Mitmenschen als Rallyefahrern nun gegen Null gehen. Vermuten wir. Diverse Parkplatz-Fragen, ob wir ernsthaft in Zeiten des Cluburlaubs nach Afrika fahren wollen - also so richtig und nicht mit Schiff von Rotterdam nach Banjul - die haben ja schon aufgehört. Immerhin sind wir ja jetzt erwiesenermaßen auf einem anderen Kontinent. Hier ist auch richtig gut gestreut. Oder die haben hier so einen breiten Strand. Sehr interessant jedenfalls die aktuelle Strecke auf dem afrikanischen Kontinent. 


Und der will erlebt und erfahren werden. 70 Kilometer aus Asphalt lagen vor uns. Neben der Piste zog der schon erwähnte Erzzug vorrüber. Auch mit 2 Lokomotiven eine lange und staubaufwirbelnde Sache. 

Bevor wir Staub und Sand durchwirbeln konnten, galt es weiteren Tagesordnungspunkte abzuhaken. Pffffft. Luft runter und Briefing, wie im Sand zu fahren ist. Wie wir höchstwahrscheinlich durchkommen, Dünen erklettern und genauso sicher auch wieder runterfahren. Ein Team entschied sich nach Zurwahlstellung dafür, uns zu verlassen und über die Straße nach Nouakchott zu reisen. Erfordia machte sich nämlich Sorgen um die Kupplung. MIt diversen Instruktionen, um allein die Polizeistopps zu absolvieren, wurden die beiden auf die Reise geschickt. Wir sehen uns ja bald wieder. Mit Sat-Handy erhielten wir bereits die frohe Kunde, dass sie wohlbehalten angekommen sind. Wir widmeten uns dann der Betrachtung der Reifen um uns herum an den anderen Wagen. Wer hat wieviel Luft abgelassen? Sollte man selbst lieber noch einmal Hand am Ventil anlegen? Und wozu eigentlich alles? Um mit ordentlich Auflagefläche durch den Sand zu walzen. Fährt sich tatsächlich besser. Wer eine der vielen Gelegenheiten der letzten Tage genutzt hatte, mit einem Kamel auf Tuchfühlung zu gehen, der wird feststellen, dass selbst deren dicke Zehe ordentlich plattspreizen können, um nicht im Sand zu versinken. Für heute galt allerdings die Ansage, Kamelherden weiträumig zu umfahren. Kein Wunder, wenn über 50 Autos mit Riesenstaubwolke on tour sind. Wenn. Ja, wenn. Es dauerte noch eine ganze Weile, bis wir wirklich durchstarteten. Gaskocher wurden ausgepackt. Auch Lenkdrachen. Der Nachmittag nahte. Und wir bereiteten uns unter der erbarmungslos glühenden Himmelsmurmel auf das Umschalten von Döse-Modus auf Attacke vor. 


Und dann: Start frei! Die Challenge rollt jab jetzt etzt hunderte Kilometer offroad! Campt unterm Wüstenhimmel. Und atmet Sand. Fühlt Sand. Jede Mahlzeit knirscht zwischen den Zähnen. Testet die Unterfahrschutzbleche. Und freundet sich mit einem neuen Fahrgefühl an. Mit an Bord in mehreren Fahrzeugen: Die bereits erwähnten einheimischen Wüstenguides. Die reisen übrigens mit ganz leichtem Gepäck. Suchen sich abends einen windgeschützten Schlafplatz. Also von denen könnten wir noch viel, viel mehr lernen. Aber alles werden die uns vielleicht auch gar nicht verraten. Manchmal ist es wirklich rätselhaft, welche Spuren gelesen werden und wie jemand, der hier aufgewachsen ist, wirklich sichere Pisten ausguckt und den sonst navi-verwöhnten Fahrer dirrigiert. Damit das noch besser läuft, hängt in einem Servicefahrzeug ein Zettel im Cockpit. Um den Anweisungen des Guides Folge leisten zu können.  Links, rechts, Langsam. Alles in französicher Sprache und mit der deutschen Übersetzung versehen. Gedacht  eigentlich für den Fahrer. Aber der Guide hat nun stattdessen deutsch gelernt. Bei langsamer Fahrt über Buckel und  Waschbrettpisten oder über Büsche, hinter denen der Wind schanzengleich Sand auftürmt, ist also das entsprechende Kommando "langsam". Dafür steht aus Schabernack hinter Wasi, wasi (dem Befehl für volle Lotte) einfach nur  "Mopsgeschwindikeit". Wir werden sehen, ob das Kommando noch 1:1 angesagt wird auf den kommenden Etappen.

Was auf jeden Fall auf der Tagesordnung stand und auch morgen wieder bevorsteht: Jede Menge Spaß und Gaudi. Aus  den Fenstern herauslehnend wird gefilmt. Oder auf dem Dachgepäckträger mitfahrend das unverbaute Panorama  genossen. Keine Sorge. Nur auf bestimmten Metern. Alles im Rahmen des Möglichen. Wir donnern ohnehin nicht mit  Autobahngeschwindigkeit durch den Sand. Sondern durchkämmen auf der Suche nach weiterem Spaß eben manchmal mit  Mopsgeschwindigkeit die Wüste. Der Polarexpress etwa kam glänzend durch. Steht noch nicht auf der Einsandeliste.  Dafür viele andere. Etwa 20 Einsandungen sind bereits nach den ersten Kilometern vermerkt. Nach einer Flasche  Wasser in die Kehle und einer über den Kopf wird aufmerksam studiert. Petzen ist dabei erwünscht. Im  Wüstengewusel ist bei über 50 Fahrzeugen trotz Funk nicht immer sofort vorne klar, woran es hinten hakt. Wir stoppen  natürlich alle, wenn wir Mitfahrern beistehen können. Fester Parkpkatz für das eigenen Auto natürlich als Bedingung. Wir lassen niemanden zurück. Mit Allrad oder Muskelkraft wurschteln wir jeden aus  dem tiefen Sand. Von dem wünschen wir uns noch viel mehr. Bislang ist die Strecke donnerkieselstark. Auf Steine  und ölwannenfeindliche Felsklumpen, die sich manchmal kaum vom Rest der Landschaft abheben, muss geachtet  werden. Die Bitte nach mehr Sand wird sich
Größere Probleme des Tages: Kraftstoffleitung bei "Nossen am Muldenstrand". Das Team wusste sich aber selbst zu helfen im Nachtlager. Ein Servicebus hatte den vierten und fünften Gang irgendwo unterwegs vergessen. Da das dynamische Org-Schrauber-Duo beim vorgenannten Leitungsproblem nicht gefragt war, wurde das Busproblem noch vor Sonnenuntergang angegangen. Beim Nobbi-Bus - um eine Frage aus den Kommentaren aufzugreifen - war das vor Tagen berichtete Problem übrigens behoben. Tauchte  dann aber wieder auf. Der Pilot war heute früh schon wieder unter dem Bus zu finden. Aktueller Stand steht  schon wieder aus. Gerollt ist der Bus heute aber.  Auch sonst munteres Rollen ganz allgemein. Da geht bei einer Rast auch schon mal eine Tür auf und dann werden Schokolade und Cola gereicht. Eisgekühlt aus Gefrierfach. 
Und die Pantas haben heute wieder einen Wunsch. "Alles wird gut." - zuhause wäre dann schon klar, was gemeint ist. Wäre also auch ausgerichtet.
Morgen früh starten wir um 9 die Motoren. Abwarten, ob das alles funktioniert. Wir haben keine Uhren um. Schon allein wegen der zu vermeidenden Braunungszebrastreifen. Und die Wochentage sind uns längst entfallen. Die Dünen warten. Wir sind bereit!



 

P.S.: Da wir mit dem Etappenericht von gestern in Verzug sind, sind wir natürlich schon längst auf der nächsten sandugen Etappe. Zahlreiche Einsandungen bieten gerade die Gelegenheit, erst einmal den fehlenden Bericht zu liefern, bevor wir heute abnd hoffentlich von heute berichten. Der Blick in den sengende Mittagsglut offenbart  relaxte Gesichter bei allen, die durch das tiefe Sandfeld erfolgreich durchgepflügt sind. Da stehen Men on a mission. Grenzenlos, Escalators, Dicke und der Belgier, African firends. Alle wohlauf. Damit bis später!

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Kommentare: 11

Kommentar von Heike Weber // 22.02.2013

Liebe Orgs, danke für die tollen Berichte. Viele Grüße an das Mainhattan-Racing-Team.
Gibt es dort noch Probleme mit der Kühlung? Sind sie noch gut dabei??Gruß an euch alle aus dem total verschneiten Thüringen.

Kommentar von Janin // 22.02.2013

Liebe Polarexpresser,
macht weiter so, ohne Einsandung!!!
Viele Grüße aus der verschneiten Heimat und passt weiterhin auf Euch auf. Ich weiss ja, wenn ich nichts von Euch höre ist alles gut ;-) Janin
PS: Ein dickes Lob an den Schreiber, ich freue mich auf die täglichen Berichte und Fotos!

Kommentar von Marcel // 22.02.2013

Man, was bin ich neidisch. Danke für die tollen Bilder und Berichte. Gutes Durchkommen - Grüße aus Berlin Marcel

Kommentar von andrea // 22.02.2013

Hey Marco (3.letzte Bild)von M.I.T schön dich zu sehen, dein Gesicht ist gezeichnet- gehts dir gut, was macht das Moped...bist du eigentlich weit und breit der Einzige Biker ? Alles GUTE aus dem tief verschneiten GAP !!!

Kommentar von schmaden // 22.02.2013

Viele Grüße an die Wüstenhunde aus dem verschneiten Thüringer Wald ,ich hoffe es geht geht euch sau gut und ihr habt viel Spaß.Mirek dir wünsche ich besonders das ihr euch nicht festfahrt, unser Geschäftsführer wird ja beim schauffeln nicht die große Hilfe sein. Dicke Küsse von deinen 3Girlies
Bis bald Bella

Kommentar von schmaden // 22.02.2013

P.S.: Vielen Dank an die tolle Berichtertattung, dadurch bleiben so manchen Familienmitglied noch einige Nerven erhalten bis ihr Liebsten vom Trip ihres Lebens zurück sind.

Kommentar von Gustav Eder // 22.02.2013

Von Deutschland bis Gambia Asphaltstrasse !!
das ist eine Saharatour ?
aber trotzdem Gute Fahrt

Kommentar von Micha & Marlena // 22.02.2013

Da wir euch anders nicht erreichen: Hallo, Ihr 3 Kameltreiber!
Lieber Thomas, alles Gute und viel Freude zu Deinem besonderen Geburtstag von Marlena & Micha.
Wir lesen täglich voll Erwartung eure tollen Berichte: Abenteuer pur.
Weiter spannende Erlebnisse auf unfallfreier Reise nach Süden. Bleibt alle gesund und munter - und das Auto natürlich auch. Toi, toi, toi. Und allzeit eine Handvoll Sprit im Tank...

Kommentar von red baron // 23.02.2013

danke für die klasse berichterstattung. wird zeit das wir nicht nur sponsor, sondern auch selber mitfahren :))

Kommentar von Sandra // 23.02.2013

Danke für die tollen Berichterstattungen und Bilder.
Viele Grüße an die Pantas aus dem winterlichen Bad Freienwalde.
Gute Fahrt an alle, und ein tapferes durchhalten der Autos (ich red immer mit meins zur Aufmunterung).

Kommentar von Frank & Silvi // 23.02.2013

Vielen Dank für die tollen Berichte und Bilder - jetzt durch die Orgs. Und dem stolzen Papa alles Gute von uns - Mainhattan Racer lassen auch nix aus :). LG aus dem tiefverschneiten Sachsen - wir brauchen Streusand ^^

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