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Projekte

Der erste Teil der Rallye - die Fahrt von Wo auch immer in Deutschland nach Gambia - liegt hinter uns. Wir hatten jede Menge Fahr-Spaß und haben Land und Leute der durchreisten Länder kennengelernt. Jetzt wird es Zeit den zweiten Aspekt der Rallye kennenzulernen.

 

Mit dem Erlös unserer Autos werden von der DBO verschiedene Projekte unterstützt. In den letzten Tagen hatten wir Gelegenheit einige dieser Projekte zu besichtigen.

 

Als erstes haben wir das neueste Projekt besichtigt, auf welches die DBO zu Recht sehr stolz ist.

 

Auf der „Tambana Kompostieranlage“ erfolgt die Mülltrennung bzw. Kompostierung von organischen Müll. Dieses Projekt ist in Westafrika derzeit das einzige dieser Art.

 

Wie viele afrikanische Länder hat auch Gambia ein Müllproblem. Nun erfolgt, bisher nur im Großraum Wellingara, eine Trennung von organischem und sonstigen Abfall mit einem ausgeklügelten Containersystem an ausgewählten Standorten. In der eigens eingerichteten Kompostieranlage bei Brikama wird organischer Müll in Biodünger umgewandelt.

 

Der Biodünger hat letztes Jahr sogar eine deutsche Zertifizierung bekommen. Ziel ist es den Biodünger erfolgreich im eigenen Land zu vermarkten, denn gute Erde ist in Gambia rar.

 

In einem kleinen Mustergarten kann man sich vom Erfolg des Düngers überzeugen. Und auch die dort arbeitenden Frauen sind von der „Bioerde“, nachdem sie erst skeptisch waren, begeistert.

 

Danach waren wir in Gunjur und haben uns das "Kundembo"-Projekt angesehen. Hierbei handelt es sich um eine Healthpost (Krankenstation) und ein Aufklärungszentrum.

 

Sol, dem Leiter des Projekts, liegen vor allem die Aufklärung Jugendlicher und Erwachsener über Sexualität, Gesundheit, Hygiene, Verhütung (Schwangerschaft, Krankheiten), Pupertät, Impfungen und Beschneidung sehr am Herzen.

 

Über diese intimen Themen wird in den Schulen oder auch zu Hause kaum oder gar nicht gesprochen. Das Interesse an diesem Thema ist jedoch sehr groß, so das schon der erste Kurs in Brikama ein voller Erfolg war.

 

Sol geht in Dörfer und Schulen um für sein Projekt zu werben und in seine Kurse einzuladen. Da Sol selber Gambier ist wird er ernst genommen und kann diese sensiblen Themen weiter vermitteln.

 

Außerdem nutzt er Fußballspiele oder auch musikalische Veranstaltungen (die er selber plant und durchführt), da diese Dinge sehr beliebt sind und viele Menschen zusammenbringt. Vor allem auch Kinder und Jugendliche.

Im Anschluss nutzt er die Gunst der Stunde für seine Aufklärungsarbeit.

 

Seit einigen Jahren gibt es hier auch eine Näherei, in der Frauen den Umgang mit den Nähmaschinen erlernen.

Die bunten Taschen fanden reisend Absatz bei den Rallyeteilnehmern.

 

Ursprünglich plante Sol eigentlich nur ein Aufklärungs- und Skillcenter. Dann kamen viele Bewohner der umliegenden Dörfer in der Annahme es handle sich um eine Krankenstation. So entstand der Plan eine solche zu integrieren.

 

Die Krankenstation hat in den vergangenen Jahren schon Tausenden Patienten geholfen. Bei ernsteren Krankheiten besteht die Möglichkeit die Patienten mit dem Krankenwagen (gespendet vom Königsbrunn e.V.) in ein Krankenhaus zu bringen.

In der Regenzeit kommen teilweise bis zu 200 Patienten täglich. Die Behandlung kostet 25 Dalasi - für viele schon ein Vermögen. Aber zum Unterschied staatlicher Krankenhäuser gibt es die benötigten Medikamente gratis.

 

Es werden immer wieder verschiedene medizinische Gerätschaften von Rallyeteilnehmern mitgebracht, sowie Medikamente und andere medizinische Hilfsmittel.

 

Natürlich auch dieses mal.

 

Im Anschluss haben wir die Kobisalaschule in Sanyang besucht.

Die Kinder waren extra - Samstag ist eigentlich Schulfrei - gekommen um uns ihre Schule zu zeigen. Es wurde für uns gesungen und getanzt. Selbstverständlich gab es Geschenke für die Kinder.

 

Zum Beispiel eine Gitarre von Team "Nordish4Gambia"(es wurde direkt gemeinsam musiziert), Bälle von Team "Wild Friends" und Schulmaterial von den "Wüsten Flöhen unter Aufsicht".

 

Die Kobisalaschule (Nurseryschool/Vorschule) ist eines der ersten von der Rallye bzw. der DBO gesponserten Schulprojekte.

Buba der Schulleiter hat sogar eine Weiterbildung gemacht die ihn dazu befähigt auch eine Secundaryschool (reguläre Schule) zu führen. Zusätzlich arbeitet er noch in einer staatlichen Schule.

 

Angefangen hat alles 2009. Die Nursery School - eine nicht vom Staat unterstützte Vorschule (oder auch Kindergarten)- bestand aus nur einem Raum für Kinder zwischen 2 und 6 Jahren. Inzwischen geht die Schule bis zur 8.Klasse und es gibt wesentlich mehr.

 

In Gambia besteht eine Schulpflicht , aber die Vorschulen (Nurseryschool), in denen die Kinder u.a. Englisch lernen, werden vom Staat nicht finanziert. Die englische Sprache ist jedoch Grundvoraussetzung um in den regulären Schulen dem Unterrichtsstoff überhaupt folgen zu können. Zu Hause wird meist Mandinka gesprochen, so das die meisten Kinder sich nicht auf englisch verständigen können.

 

Eine weitere Schule haben wir am Montag besucht.

Die Interior Academy wurde ursprünglich als Nurseryschool für die Kinder der exekutiven Behörden (Polizei etc.) gegründet. Natürlich ist die Schule für alle Kinder offen (Kinder der Polizei etc. bezahlen ein geringeres Schulgeld).

Auch hier werden bereits Schüler der Primary unterrichtet.

 

Das besondere an dieser Schule ist die Integration behinderter Kinder. Ziel ist es das die Kinder den respektvollen Umgang miteinander lernen. In Gambia schämen sich viele Menschen für ihre behinderten Kinder und so werden diese oft nicht zur Schule geschickt. Daher ist die Schule für diese Kinder ein Segen. Sie bekommen das erste mal in ihrem Leben das Gefühl ernst genommen zu werden und nicht alleine zu sein.

 

Wie schon in der Kobisala-Schule wurden an einige Kinder für die Teilnahme an einem Filmprojekt Urkunden überreicht.

 

Zum Schluss besichtigten wir die KFZ- Lehrwerkstatt und die Schreinerei in denen Jugendliche einen Beruf erlernen können.

 

In der KFZ-Werkstatt sind derzeit fünf Lehrlinge beschäftigt, denen es hier so sehr gefällt das sie gar nicht mehr weg wollen. Nach der Ausbildung können sie sich selbstständig machen und werden dazu mit einem Grundstock an Werkzeugen ausgestattet.

 

Wir konnten beobachten wie der Pritschenwagen der bei der Besichtigung der Kompostieranlage wegen Überladung (zu viele wollten die Anlage besichtigen!) zusammen gebrochen war repariert wurde.

 

In der Schreinerei waren die Lehrlinge gerade mit dem Erlernen der Theorie beschäftigt.

 

Auch im DBO-Restaurant „Blue Kitchen“ werden Jugendliche ausgebildet. Als Kellner oder Köche können sie irgendwann (hoffentlich) ihren Lebensunterhalt bestreiten.

 

Außerdem wird hier die Armenspeisung vorbereitet - ein weiteres DBO-Projekt. An der am Mittwoch einige Teams teilgenommen haben.

 

Das Restaurant trägt sich selber, zahlende Gäste sind also immer willkommen. Ein Bäckerei mit deutsch-gambischen Know-how befindet sich direkt neben dem Restaurant.

 

Über alle Projekt kann sich auch auf der DBO-Internetseite informiert werden (http://www.dbo-online.org/).

 

Die kleine Besichtigungsrunde hat allen gezeigt: Unsere Hilfe kommt an!

 

Wir haben die Welt natürlich nicht gerettet! Wir haben aber dazu beigetragen die Welt ein kleines winziges bisschen besser zu machen“.

 

Zum Schluss noch einen riesigen Dank an alle Rallyepiloten der 27.Rallye Dresden-Dakar-Banjul (Danke auch an alle ehemaligen Rallyeteilnehmer für die fleißige Anteilnahme und schon mal prophylaktisch an alle zukünftigen Rallyeteilnehmer).

Ohne Euch wäre diese Rallye nicht das was sie war, ist und hoffentlich weiter sein wird.

 

Danke auch an all die Helfer der Rallye Dresden-Dakar-Banjul. Unter anderen Saleck (Mauretanien), Mustafa (Senegal Grenze und Gambia), Aaron und Heinz (beide DBO).

Und natürlich geht auch ein Dank an Torsten, Holli und Falk für die Organisation der Rallye.

Persönlich sage ich Danke an alle Rallyetagebuchleser. Bis zum nächsten mal.

 

Foto-Galerie

Video-Tagebuch



Kommentare: 1

Kommentar von Thomas Reichert // 04.04.2019

Ja, das kann man so sagen. Ohne alle wäre das nicht möglich. Aber ich möchte ebenfalls erwähnen, dass ich meinen Hut ziehe, vor den Menschen die Nachts in der Wüste Motoren zerlegen und wieder zusammen bauen und die die den Pritschenwagen der Kompostieranlage wieder repariert haben. Super!!!
Gruß Thomas und Ute vom Team Sahara Sandkasten Eroberer ( März 2020)

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