39. Rallye Dresden-Dakar-Banjul - Projekte und der ganze Rest!
Die 39.Rallye Dresden-Dakar-Banjul geht ihrem Ende entgegen. Wir hatten jede Menge Fahr-Spaß. Wir sind durch (mindestens) sieben Länder auf zwei Kontinenten gefahren und haben Land und Leute der durchreisten Länder kennengelernt. Schnell verließen wir Europa und schipperten über den Atlantik nach Afrika. In Marokko haben wir die Straßen und Pisten unsicher gemacht und den Atlas bezwungen. Wir fuhren in Mauretanien durch Wüstensand und durchquerten eine unglaubliche Hauptstadt. Im Senegal düsten wir über eine Sahelpiste und kämpften uns durch größere und kleinere afrikanische Ortschaften. Schließlich haben wir den Gambiariver auf einer Brücke überquert um nach über 7.500 Kilometern unser Ziel zu erreichen.
Die Verarbeitung der erlebten Abenteuer wird sicher noch ein Weile andauern. Einiges wird möglicherweise für immer in unseren Köpfen hängen bleiben.
In den Tagen zwischen Anreise, Versteigerung und Rallye-Party hatten wir Zeit den zweiten Aspekt der Rallye kennenzulernen - die Arbeit der Dresden-Banjul-Organisation (DBO), einer NGO. Es konnten einige der von der DBO unterstützte Projekte besichtigt werden.
Zuerst waren wir in Gunjur in der „Kundembo“-Healthpost.
Sol dem Gründer und leider zu früh verstorbenen ehemaligen Leiter der Healthpost lag vor allem auch die Aufklärungsarbeit über Sexualität, Gesundheit, Hygiene, Beschneidung, Verhütung, Pubertät, Impfungen etc. am Herzen.
Das sind Themen über die in den Familien und den Schulen kaum gesprochen wird weil sie zu “beschämend” sind.
In den letzten Jahren hat sich in der ‚Kundembo‘-Healthpost viel getan. Eine Geburtsklinik wurde eröffnet, eine Zahnklinik eingerichtet und eine Augenklinik hat ihre Arbeit aufgenommen.
Seit Dr. Fatima Bouriss und Dr. Faburama Jambang die Arbeit von Sol übernommen haben, wurde der Hygienestandard auf ein europäisches Niveau angehoben. Zudem wurden Medikamente, Verbandsmaterial sowie medizinische Geräte inventarisiert.
Dr. Faburama Jambang berichtete eindrucksvoll über die tägliche Arbeit in der Klinik. Am Ende wurden die medizinischen Spenden verteilt, welche die Rallyeteilnehmer mitgebracht haben.
Außerdem gab es einen neuen Krankenwagen (Team „Africar“).
Anschließend besuchten wir die Kobisala School in Sanjang.
Ursprünglich war das nur eine Nursery School, vergleichbar mit einem Kindergarten in Deutschland in dem es auch schon kleine Unterrichtseinheiten gibt. Die Kinder lernen hier unter anderem die englische Sprache. Denn zu Hause wird meist nur Mandinka gesprochen und um in der späteren Schulausbildung dem Unterricht folgen zu können sind englische Sprachkenntnisse sehr wichtig.
In Gambia besteht eine Schulpflicht, aber die Nursery Schools sind nicht Teil der kostenlosen Schulausbildung. Sie sind auf Geldspenden (aber auch Sachspenden) angewiesen. Zum einen um das Schulgeld so gering zu halten, das es sich auch ärmere Familien leisten können. Außerdem für die Lehrerkosten und um die Gebäude zu erhalten und die meist geringe Pacht zu bezahlen.
Seit die Schule von der DBO unterstützt wird sind immer weitere Gebäude bzw. Klassenräume dazugekommen. So ist aus der Nurseryschool mittlerweile eine Secundaryschool geworden.
Buba der Schulleiter hat sogar eine Weiterbildung gemacht die ihn dazu befähigt auch eine Secundaryschool (reguläre Schule) zu führen.
Auch einen Schulbus besitzt die Kobisala Nursery School. Dieser wird außerhalb der Schulzeiten als Taxi genutzt und so kann etwas Extrageld für die Schule herein „gefahren“ werden.
Die Kinder waren extra – Samstag ist eigentlich Schulfrei – gekommen um uns ihre Schule zu zeigen. Sie begrüßten uns mit einem Liedchen.
Selbstverständlich gab es auch Sachspenden für die Schule. Zum Beispiel Computer, diverses Schulmaterial und Fußballtrikots.
Außerdem wurde ein Sanitärtrakt eingeweiht, der durch Privatspenden zweier ehemaliger Rallye-Teams finanziert wurde (Team „Rust and Roll“ und „Schwarzwaldbuewa“).
Am spannendsten fanden die Kinder jedoch den Flug der Drohne von Jamiel (Team „Jam Jam & Julien“).
Eine weitere Schule besuchten wir am Montag.
Die Interior Academy wurde ebenfalls ursprünglich als Nurseryschool gegründet. Vor allem für die Kinder der exekutiven Behörden (Polizei etc.). Aber die Schule ist natürlich für alle Kinder offen, Kinder der Polizei etc. bezahlen jedoch ein geringeres Schulgeld.
In den letzten Jahren wurde die Schule immer mehr erweitert und so können jetzt auch Schüler der höheren Klassen unterrichtet werden. Auch momentan herrscht wieder rege Bautätigkeit.
Das besondere an dieser Schule ist die Integration behinderter Kinder. Ziel der Inklusion ist es den Kinder einen respektvollen Umgang miteinander beizubringen. In Gambia schämen sich viele Menschen für ihre behinderten Kinder und so werden diese oft nicht zur Schule geschickt. Diese Kinder bekommen so das erste mal in ihrem Leben das Gefühl ernst genommen zu werden und nicht alleine zu sein.
Leider waren kaum Schüler anwesend, da gerade Osterferien sind.
Ebenfalls am Montag wurde die KFZ-Ausbildungswerkstatt für LKW-Mechanik und Mechatronic besichtigt.
Nach der Ausbildung können sich die frisch gebackenen KFZler selbstständig machen und werden dazu mit einem Grundstock an Werkzeugen ausgestattet. Momentan ist nicht viel los in der Werkstatt - ein gutes Zeichen, denn das bedeutet das alle Fahrzeuge der DBO in einem Tipptopp-Zustand sind.
In die daneben befindliche Bäckerei konnte auch ein Blick geworfen werden. Von hier aus wird auch die von der DBO ins Leben gerufene Armenspeisung realisiert - die erste in Gambia.
Und dann wurden auch noch Spendenschecks an die DBO übergeben. Die “Aachener Wüstenfüchse” übergaben einen Scheck über 1000,00 Euro und Thomas (Service Mercedes) übergab einen Scheck über 5000,00 Euro vom “Meilen für Kinder der Welt e.V. Königsbrunn”.
Wer mehr über die von der DBO (Dresden-Banjul-Organisation) unterstützten Projekte wissen möchte kann sich gern auf www.dbo-network.org ausführlich informieren.
In den letzten dreieinhalb Wochen sind wir sehr viel gefahren, hatten sehr viel Spaß, haben sehr viel Neues kennengelernt und sehr viele neue Freundschaften geschlossen.
Doch neben all den schönen Momenten haben wir auch sehr viel Armut gesehen – nicht nur in Gambia. Bilder und Begegnungen, die uns nachdenklich gemacht haben und die wir so schnell nicht vergessen werden. Sie zeigen uns, wie wichtig unsere Hilfe ist.
Bei den Projektbesichtigungen konnten wir mit eigenen Augen sehen, dass unsere Unterstützung zumindest hier in Gambia ankommt und der Erlös aus der Versteigerung unserer Rallyefahrzeuge dringend gebraucht wird.
Zum Schluss noch ein herzliches Dankeschön an das gesamte Team der DBO für die Arbeit hier in Gambia.
Ein ganz besonderer Dank gilt natürlich allen Rallye-Teams der 39. Ausgabe der Rallye Dresden–Dakar–Banjul. Ihr habt diese Reise mit Leben, Abenteuerlust und Leidenschaft gefüllt.
Danke auch an alle ehemaligen Rallyeteilnehmer für das begeisterte Mitfiebern – und schon jetzt an alle zukünftigen Teilnehmer.
Ohne euch alle wäre diese Rallye nicht das, was sie war, was sie ist – und was sie hoffentlich noch lange bleiben wird: etwas ganz Besonderes.
PS: Mein besonderer Dank gilt allen, die mir über WhatsApp – ob in der Rallye-Gruppe oder privat – Fotos geschickt haben. Ohne diese Bilder wären einige der Tagebucheinträge nur halb so bunt.
